Schwangerschaft und Verdienstausfall

Wenn man als Zahn√§rztin in die Familienplanung einsteigt, sollten auch die finanziellen √úberlegungen beachtet werden. Dies gilt f√ľr angestellte, aber insbesondere f√ľr schon niedergelassene Zahn√§rztinnen, wenn der Umsatz geringer wird – oder sogar ausf√§llt – und die Kosten aber weiter laufen.

Aber keine Angst: Durch gezielte Versicherungslösungen braucht man auch als niedergelassene Zahnärztin keine Sorgen vor einem finanziellen Desaster zu haben. Wenn man allerdings keine Vorsorge trifft, so geht man erhebliche Risiken ein, insbesondere dann, wenn es zu einer problematischen Schwangerschaft mit monatelangem Ausfall kommt.

Doch wie sehen die Versicherungslösungen im Einzelnen aus?

Angestellte Zahnärztinnen:

Angestellte schwangere Zahn√§rztinnen haben nach einem Urteil vom 27.07.1993 de facto ein Besch√§ftigungsverbot. Der Arbeitgeber muss den Lohn weiter bezahlen und holt sich diesen √ľber die Umlage U2 von der Krankenkasse zur√ľck. Dies gilt auch f√ľr die Umsatzbeteiligung, denn ma√ügeblich ist das Arbeitsentgelt der letzten 13 Wochen vor Beginn des Monats, in dem die Schwangerschaft eingetreten ist.

Hier kann f√ľr den Arbeitgeber eine L√ľcke entstehen, wenn das Gehalt inklusive Umsatzbeteiligung die Beitragsbemessungsgrenze der Deutschen Rentenversicherung (2018: 78.000,- ‚ā¨ West, 69.600,- ‚ā¨ Ost) √ľbersteigt.

Die angestellte Zahn√§rztin hat insofern keine finanzielle L√ľcke und es spielt keine Rolle, ob sie gesetzlich oder privat krankenversichert ist.

Niedergelassene Zahnärztinnen:

Das Mutterschutzgesetz umfasst niedergelassene Zahnärztinnen nicht. Es kommt auch nicht zu einem Beschäftigungsverbot. Bei problematisch verlaufenden Schwangerschaften kann es aber zu ernsten finanziellen Problemen kommen, wenn die Umsätze einbrechen und die Kosten weiter laufen.

Welche Versicherungslösungen kommen als Absicherung in Frage?

GKV Versicherte inkl. Anspruch auf Krankentagegeld:

Das max. Krankentagegeld betr√§gt ab der 6. Woche 103,25 ‚ā¨ (Stand 2018). Dieses Krankentagegeld kann durch zus√§tzliche Wahltarife von der 3. bis zu 6. Krankheitswoche erh√∂ht werden. Dar√ľber hinaus kann der station√§re Aufenthalt ab dem 1. Tag versichert werden. Die maximale Leistung betr√§gt 200,- ‚ā¨/Tag. Neben der zeitlichen Begrenzung auf 3 Wochen bieten die Tarife auch von der H√∂he her nur unzureichenden Schutz f√ľr niedergelassene Zahn√§rztinnen und sind insofern nicht zu empfehlen.

GKV / PKV Versicherte mit Anspruch auf eine private Krankentagegeldversicherung:

Einen im Vergleich zur GKV besseren Versicherungsschutz erh√§lt man √ľber das Krankentagegeld einer privaten Krankenversicherung. Die PKV-Unternehmen sind seit dem 11.04.2017 verpflichtet, w√§hrend der Mutterschutzzeiten das vereinbarte Krankentagegeld zu leisten. D. h. 6 Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt (zw√∂lf Wochen bei Fr√ľh- und Mehrlingsgeburten) ist der Versicherer zur Leistung verpflichtet. Andere Leistungen wie z. B. der Bezug von Elterngeld werden aber vom Krankentagegeld abgezogen. Das Versicherungsvertragsgesetz (¬ß 192 Abs. 5 S. 2) ist entsprechend ge√§ndert worden und kann auch von einem Versicherer nicht abgedungen werden.

Einige Unternehmen leisten dar√ľber hinaus noch ein sogenanntes Entbindungsgeld: Dabei wird ein pauschales Tagegeld in H√∂he des zehnfachen versicherten Tagessatz gezahlt. Unterschiedliche Tagegelder mit unterschiedlichen Karenzzeiten werden dabei aufaddiert.

Praxiskosten- und Gewinn:

Die private Krankentagegeldversicherung leistet i. d. R. nur max. bis zum Nettoeinkommen. Es gibt nur wenige Gesellschaften, die eine andere Definition der max. Höhe (z. B. 75% der Praxiseinnahmen) haben, wo dann ebenfalls die Praxiskosten Рzumindest anteilig Рmit abgedeckt sind.

F√ľr die Absicherung der Praxiskosten- und gewinns bietet sich eine Praxisausfallversicherung (oder auch Betriebskostenversicherung genannt) an, die bei einem Ausfall der Praxisinhaberin leistet.

Das Problem: Bei den meisten Gesellschaften ist die Schwangerschaft als Ausschluss definiert: ‚ÄěKein Versicherungsfall liegt bei Arbeitsunf√§higkeit infolge von Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch, Fehlgeburt und Entbindung vor‚Äú.

Von dieser Regel weicht aber ein Versicherer positiv ab. Hier heißt es in den Bedingungen:

“ Leistungspflicht besteht außerhalb der gesetzlichen Mutterschutzfristen, wenn vollständige Arbeitsunfähigkeit wegen durch Schwangerschaft bedingte Krankheiten oder Beschwerden eintritt“.

Eine niedergelassene Zahn√§rztin kann sich also √ľber eine Praxisausfallversicherung, die einen schwangerschaftsbasierten Ausfall als Leistungsfall definiert, ausreichend absichern. Es besteht lediglich eine L√ľcke innerhalb der Mutterschutzfristen. Dies kann √ľber das Krankentagegeld geschlossen werden.

Fazit:

Eine niedergelassene Zahn√§rztin sollte sich vor der Familienplanung dringend mit dem Thema Versicherungsschutz befassen, um die Risiken zu minimieren. Es gibt nur wenige ausreichende L√∂sungen am Markt, die √ľberzeugen. ‚ÄěDer Teufel steckt im Detail‚Äú ‚Äď ein Blick in die Versicherungsbedingungen ist sehr empfehlenswert.

Eine Kombination zwischen einer geeigneten Praxisausfall- und einer Krankentagegeldversicherung ist die beste Lösung.

Auf Grund von Wartezeiten und der Gesundheitsfragen muss die Beantragung des Versicherungsschutzes vor dem Eintritt der Schwangerschaft erfolgen.

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